Kirchenführer

 

Kirchenführer der Pfarrkirche St. Vincentius Levita in March Neuershausen

Einführung

Das Äußere  

Noch immer von der alten Kirchhofmauer umfriedet, erhebt sich die Kirche als Wahrzeichen über die Dächer des Dorfes. Durch die filigranhaft geschmiedete Gittertüre treten wir in den geweihten Bezirk ein, der heute das Gefallenen-Ehrenmal der Gemeinde birgt. Aus der großen Außennische der Chorrundung blickt die überlebensgroße, lebhaft geformte Statue der Unbefleckt Empfangenen auf die Eintretenden hernieder: ein A. X. Hauser zuzuschreibendes und „ganz freiwillig von der Pfarrgemeinde und einigen Nachbarn bezahltes" Werk. 

An der Südseite des Chors ist der schlank aufstrebende nur durch kleine hochrechteckige Fenster geschoßweise untergliederte Turm angesetzt, dessen quadrierte Eckpilaster im Bereich des Glockengeschosses durch Abrundungen zurückgenommen sind und dadurch jeweils einen Standplatz für die Sandsteinfiguren der Kirchen- und Altarpatrone (Vincentius, Johannes Ev., Blasius und Annaselbdritt) freigegeben (A. X. Hauser). Wie prächtig bis 1786 das Außenbild der Kirche mit der flach gezogenen Kuppel des Turmes gewesen sein muß, läßt der vom Kirchenpatron der Gottesmutter dargebotene Bauplan auf dem Hochaltarblatt erkennen. Daß der nüchterne Turmhelm des Jahres 1787 wenigstens den zierlichen Laternenaufsatz hinzugefügt bekam, war nur dem energischen Einspruch der Gräfin Schauenburg-Hennin und der Gemeinde (die sich an der Erbauung des Turmes mit freiwilligen Spenden beteiligt hatte) zu verdanken gewesen.

Quadrierte, aus dem Sockel bis zum Dachgesims hochgezogene rote Lisenen gliedern die Seitenwände des Langhauses in vier gleiche Felder, deren gelbe Putzflächen mit den großen Rundbogenfenstern durch bizarre weiße Rahmungen dekorativ abgehoben sind. Gerundete Eckpilaster leiten über zu der Westwand mit offenem Dreiecksgiebel und gefälligem Hauptportal. Sparsam, aber wirkungsvoll, hat man die Portalfassade durch symmetrisch gesetzte Blendfenster und fachwerkartige Gelb-Weiß-Strukturierung der verputzten Mauerfläche gestaltet.

 

Bedeutung

    

St. Vincentius Kirche innen

 

St. Vincentius Kirche innen

Über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg entstand 1758-1765 in Neuershausen eine Barockkirche, die uns nach gelungener Restaurierung durch ihren gefälligen Gesamteindruck und den reizvollen Innenraum zu entzücken vermag. „NoVa DoMVs CaeLo ereCta", das neue, dem Himmel errichtete Gotteshaus der Gemeinde, wie die Inschrift (mit Chronogramm) am Chorbogen stolz überliefert. Echte Religiosität vermochte dem gläubigen Volk eine frohbewegte, beseligend wirkende Stätte für den Gottesdienst zu schaffen, obwohl sie sich zum Werk mit Menschlich-Allzumenschlichem paaren mußte. Wegen ihres sonst wenig bekannten Architekten, aber auch wegen der am Bau beteiligten Künstlerschar wird die Landpfarrkirche Neuershausen als Schatzkästlein einheimischer Barockkunst stets ihren Platz in der Kunstgeschichte des Breisgaues einnehmen.

Akten: Pfarr- und Gemeindearchiv; Erzb. Dom- pfarr- und Stadtarchiv Freiburg; Bad. Generallandesarchiv mit Frh. Rinkschern Archiv Karlsruhe; Pfarrarchive Heimbach und Gars am Kamp; Archives de l'ancien Evöch6 de Bäle (Archiv der alten Diözese Basel) in Porrentruy (Pruntrut)/Schweiz; Mitteilung der Unterlagen über die Restaurierung durch H. H. Pfarrer Fritz Danner, Holzhausen.

Schrifttum: Der Landkr. Freiburg – Amtl. Kreisbeschreibung &nash; Band 11, 2-1974, Die Gemeinden L-Z (Neuershausen); R. v. Freyhold, Breisgauer Herrenhäuser. Würzburg, 1939; A. Siegel, Die Kirche von N. Freib. Tagespost Nr. 103 v. 14.4.1935; Pfr. Dr. Andreas Lehmann, Fragmentarisches Manuskript über die Vorgeschichte des Kirchenbaues; G. Amweg, Las arts dans le Jura Bernois, 1. Bd. 1937, p. 76; F. Hefele, Vorarlberger und Allgäuer Bauleute zu Freiburg im 18. Jh. Alemania IV, 3-1929; Lieb-Dieth, Die Vorarlberger Barockbaumeister. München 1967; F. chaub, Die Universität Freiburg in ihren Beziehungen zur Frbg. Kunst im 18. Jh. in: Ztschr. d. Ges. f. Bef. der Gesch. Kd. v. Freiburg, 37. Bd. 1923; M. Hermann, Die Bildhauer Hauser (künstl. Werk), Bad. Heimat - Mein Heimatland, 52. Jg., Heft 1-2 Juni 1972; H. Brommer, Die Bildhauer Hauser (Biogr.) in: Schauinsland. Jb. Breisgau, Gesch. V. 89, 1971; Ders., J.B. Sellinger, Ein Breisgauer Barockbildhauer, in: Schauinsland, Jb. 80, 1962 und 81, 1963; H. Ginter, Südwest- deutsche Kirchenmalerei des Barock, Augsburg 1930; B. Sulzmann, Die Orgel der kath. Stadtpfarrkirche Ettenheim 1973 (Angaben über M. Martin).

Fotos: Siegfried Gass, Neuershausen; Erzbischöfliches Archiv Freiburg; Verlag Schnell & Steiner, Regensburg Kurt Gramer, Bietigheim-Bissingen.

Abonnement: Unsere „Kleinen Kunstführer" durch Kirchen, Schlösser und Sammlungen im mitteleuropäischen Kulturraum können beim Verlag abonniert werden. Die Reihe wurde begründet von Dr. Hugo Schnell und Dr. Johannes Steinert. Schnell, Kunstführer Nr. 1025 (von 1975) 2., veränderte Auflage 1995

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